Vor einigen Jahren war ich vom Gedanken, Therapeut zu werden richtig begeistert. Ich habe Anfang der 2000er Jahre damit begonnen, mich sehr viel mit dem Thema Gesundheit, Rohkost und Spiritualität auseinanderzusetzen. Ich bin dabei sehr vielen interessanten und außergewöhnlichen Menschen begegnet, die ich ohne diese Interessen wahrscheinlich niemals kennengelernt hätte. Das Thema Gesundheit war ständig präsent – immerzu wollte ich mich selbst und auch andere motivieren, an ihrer Gesundheit zu arbeiten und so das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit zu steigern. Nach einiger Zeit hatte ich mir ein solides Fundament an Wissen angeeignet, z.B. durch das Studium der natürlichen Gesundheitslehre und das obsessive Lesen von Gesundheits- und Selbsthilfeliteratur. Als ich mich in diesen Themen sicher fühlte, war mein Drang dieses Wissen weiterzugeben, und damit anderen Leuten zu helfen, auf einem Höhepunkt. Ich wollte Therapeut werden. Ich fühlte mich dazu berufen. Das Naheliegendste war es nun, die Heilpraktiker Ausbildung zu absolvieren und dann als Heilpraktiker zu arbeiten.

Ausbildung

Hoch motiviert habe ich mich bei der Paracelsus Schule in Würzburg zum Kombistudium zum Heilpraktiker angemeldet.Kombi bedeutet in diesem Fall, dass ich in Vorlesungen gehen konnte aber das Meiste von Zuhause im Selbststudium machen musste. D.H. mit Büchern, CDs und Videos. Durch meine hohe Motivation bin ich Anfangs recht gut durchgestartet. Habe mich auch gleich zu weiterführenden Kursen angemeldet, z.B. zur Körper- und Ohrakupunktur nach Franz Thews (welche ich wirklich wärmstens weiterempfehlen kann). Diese habe ich gut abgeschlossen – konnte jedoch noch nicht damit arbeiten, da ich ja noch keine Prüfung zum Heilpraktiker gemacht hatte.

Das arbeiten mit den Büchern wurde für mich sehr mühsam und die Motivation ist weniger geworden. Ich konnte mich vor allem in den Sommermonaten nicht dazu aufraffen, wirklich effektiv zu lernen. Mir fehlte der „Druck von außen“.

Da ich jedoch unbedingt Therapeut werden wollte, suchte ich nach weiteren Möglichkeiten. Bei meinen Recherchen fand ich heraus, dass Physiotherapeut wohl neben dem Medizinstudium, die umfangreichste medizinische Ausbildung darstellt, die man in Deutschland genießen kann. So habe ich mich in einer privaten Schule zum Physiotherapeuten ausbilden lassen – um eine feste Basis an medizinischen Grundkenntnissen zu erwerben und den Umgang mit Menschen zu lernen.

Ich habe zahlreiche Fortbildungen gemacht, unter anderem Kieferbehandlung, Dorntherapie und Lymphdrainage.
Nun war es an der Zeit, einen Arbeitsplatz zu finden. Einen Job als Physiotherapeut zu finden ist nicht schwer, denn die werden dringend gesucht. (Warum nur?)

Massage

Die Arbeit als Therapeut

Als ich meinen ersten Job als Physiotherapeut angetreten bin, war ich noch sehr motiviert. Endlich konnte ich Leuten helfen und ihnen auch ganzheitlich beratend zur Seite stehen. Das war eine tolle Sache und in vieler Hinsicht bin ich da richtig aufgeblüht – und ich würde sagen – ich war bei vielen Patienten auch sehr erfolgreich.
Diesen Erfolg führe ich aber weniger auf meine fachlichen Kenntnisse zurück, sondern mehr auf den tiefen Wunsch, Menschen weiter zu helfen, Ihnen zu helfen, sich von ihren Krankheiten zu befreien und wieder fit zu werden.

Was absolut im Kontrast dazu steht, ist das deutsche Gesundheitssystem. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich nur sagen, es ist ein scheinheiliges Alibi-System, welche es den Menschen glauben machen soll, dass ihnen geholfen wird!

Das klingt zunächst hart – aber wenn man es sich genau ansieht ist, es so. Als Physiotherapeut ist es die Regel, im 20 Minuten Takt Patienten zu behandeln. In dieser Zeit muss das Rezept unterschrieben sein, der Patient umgezogen bzw. ausgezogen auf der Liege liegen oder Bereit für Übungen auf der Matte stehen. Die 80 jährige Oma schafft das nicht.

Also bleiben von den 20 Minuten brutto noch 12 Minuten für Oma zur Behandlung. In Deutschland ist Physiotherapie in vielen Praxen Fließbandarbeit. Schlecht bezahlte Fließbandarbeit mit wenig Aufstiegschancen. Nur wenige Praxen können es sich erlauben, die Geschwindigkeit zu drosseln und den Patienten mehr Zeit zur Verfügung zu stellen. Diese gilt es als motivierter Therapeut zu finden.

Das Gesundheitssystem in anderen Ländern

In so ziemlich allen anderen europäischen Ländern ist der Beruf des Physiotherapeuten wesentlich besser angesehen. Die Krankenkassen bezahlen besser für die Therapie und so kann dem Patienten mehr Zeit gewidmet werden. Der Therapeut verdient besser und kann sich dadurch auch besser dem Patienten widmen, da nicht mehr in Geldnot ist. Die Schweiz ist z.B. ein Land, in dem der Physiotherapeut wesentlich besser da steht. Dort ist sowohl der Heilpraktiker (Naturarzt) besser anerkannt, aber auch der Lymphdrainage Therapeut. Diese Form der Therapie ist ein sehr wichtiger Baustein im Gebäude der Gesundheitsvorsorge. In der Schweiz kann man sich z.B. hier eine ausbildung zum therapeuten im Bereich der Lymphdrainage absolvieren. In Deutschland wird dies eher ein Bestandteil der Physiotherapie sein.

Auch in den USA und Kanada ist der Physiotherapeut viel besser angesehen. Hier in Deutschland muss sich das unbedingt verbessern. Durch die schlechten Arbeitsbedingungen werden weniger junge Leute Therapeuten.

Therapeut sein ist schön…

…wenn man es wirklich leben kann. In vielen Praxen ist wie oben bereits erwähnt, Fließbandarbeit angesagt. Hier wird den Mensch oft nur sehr oberflächlich geholfen. Als Therapeut braucht man Zeit, den Menschen zu helfen – selbst etwas in Bewegung zu setzen. Heilung kommt in der Regel nicht von außen – sie kann aber von außen gefördert werden. Dazu muss der Patient motiviert werden, sich voll auf Heilung ausrichten und der Therapeut braucht Motivation, Zeit und ein gutes fachliches Wissen.

Jeder der Therapeut werden will, weil er nicht weiß was er sonst machen soll, dem würde ich davon abraten. Therapeuten, die es als ihre Lebensaufgabe ansehen, anderen zu helfen, sind oft schon vor ihrer offiziellen Ausbildung „Therapeuten“ – denn da kommt es von Herzen – und bei jenen wird sich ein Weg finden, aus dem Fließbandsystem in ein wirkliches heilendes Umfeld zu kommen. All jenen wünsche ich viel Erfolg bei der Umsetzung!

 

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